Kalkulierte Enttabuisierung : das Schulprojekt in Berlin Charlottenburg
Sucht und Alkoholismus sind in unserer Gesellschaft hoch tabuisiert. Das gilt auch im Bereich Schule. Wer hat als Lehrer/in schon den Mut, Eltern anzusprechen, die wiederholt alkoholisiert zum Elternabend erschienen sind? Häufig wissen Lehrer/innen recht genau, welche ihrer Schüler/innen zu Hause mit einem familiären Suchtproblem konfrontiert sind, doch sie wissen oft nicht, wie sie damit umgehen können.
Die Suchtprophylaxe der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung hat gemeinsam mit den Al-Anon Familiengruppen für Angehörige von Alkoholikern und NACOA Deutschland ein vierjähriges Projekt an einer Grundschule in Berlin Charlottenburg durchgeführt, das darauf zielte, Sucht im schulischen Kontext besprechbar zu machen und so dem Tabuthema Sucht die Macht zu nehmen. Im Rahmen des Projektes wurde mit den Lehrer/innen, den Eltern und den Schüler/innen gearbeitet.
Das Projekt hat dazu beigetragen, die Mauer des Schweigens an der Schule zu durchbrechen. Schüler/innen vertrauten sich ihren Lehrerinnen an, wenn es in der Familie ein Suchtproblem gab, und auch Eltern suchten den Rat der Lehrerinnen. Die Lehrerinnen waren durch das Projekt in der Lage, die Ratsuchenden kompetent zu betreuen und sie an Hilfeangebote weiter zu vermitteln.
Das Projekt wurde im Sommer 2007 abgeschlossen. Die Suchtprophylaxe der Senatsverwaltung für Bildung hat die im Projekt gesammelten Erfahrungen in die Entwicklung eines Programms zur Lehrerfortbildung einfließen lassen.

