Es fehlt an Problembewusstsein für Kinder aus Suchtfamilien
Seit Anfang der 1980er Jahren ist die Problematik der Kinder aus alkoholkranken Familien in den USA in das Blickfeld der Forschung geraten. Es dauerte bis Ende der 80er Jahre, bevor das Thema auch in Deutschland in Fachkreisen als Problem wahrgenommen wurde und die Ergebnisse der amerikanischen Untersuchungen von deutschen Verlagen in Übersetzung herausgebracht wurden. Es folgten Publikationen deutscher Autorinnen und Autoren.[2]
Dennoch ist das Problembewusstsein in Deutschland bis heute nur schwach ausgeprägt. In den Bereichen Schule, Kindergarten, Gesundheitswesen sowie bei den Jugendämtern, Suchthilfeeinrichtungen und im Kinderschutz herrscht weitverbreitete Unkenntnis über die Problematik der Kinder suchtkranker Eltern. Die Politik hat gerade erst begonnen, die Brisanz des Themas Kinder aus Suchtfamilien in ihrer gesundheits-, sozial-, bildungs- und bevölkerungspolitischen Dimension wahrzunehmen. Es bedarf großer Anstrengungen, um auf Bundes-, Länder- und auf kommunaler Ebene ein Problembewusstsein zu schaffen.
Es gibt in der Bundesrepublik nur wenige Hilfsangebote für Kinder aus Suchtfamilien. Dabei sind große regionale Unterschiede festzustellen. Während es in einigen Bundesländern schon Ansätze für ein Hilfesystem für Kinder aus Suchtfamilien gibt (z. B. Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hamburg), haben die meisten übrigen Bundesländer bis jetzt kaum entsprechende Hilfsangebote entwickelt.

